Mit einem niederländischen Plattbodenboot fahren wir raus aus dem Ijsselmeer in das friesische Wattenmeer und freuen uns auf eine Woche auf See und tollen Kitesessions vor den friesischen Inseln.

Der Kopf einer Robbe zeigt sich neben der Lemsterark, einem original getreu nachgebauten friesischen Plattbodenboot, mit dem wir zu der waveBandits Kite´n´Sail Tour aufgebrochen sind und mit dem wir Kurs auf die friesische Insel Vlieland halten.

Die Robbe ist neugierig, sie begleitet uns eine ganze Weile, bevor sie die Lust an uns verliert.

Auf dem Weg entlang der langen Sandküste von Vlieland gleiten wir an großen Gruppen Robben vorbei, die es sich auf dem warmen Sand gemütlich gemacht haben. Die Segel stehen perfekt im Wind und unser Skipper lehnt entspannt an der Ruderpinne. Sind die Segel ideal gesetzt, hält das 30 Tonnen schwere Schiff fast von alleine den Kurs. Wer zum ersten Mal das Wattenmeer besegelt, ist erstaunt über die zwingende Genauigkeit, mit der der Skipper die Route, die Strömung und die Zeit für die Tagesroute berechnen muss. Manche Stellen sind nur eine Stunde lang überfahrbar, da sich an ihnen die Strömung trifft und das Wasser nach Wasserhöchststand wieder in beide Richtungen abfließt. Doch das Wattenmeer hält eine Fülle von Belohnungen für mutige Segler bereit.

Das Bild zeigt ein niederländisches Plattbodenboot auf See

Trockenfallen mit dem Plattbodenboot vor Vlieland und hier die Nacht verbringen

Da die Lemsterark originalgetreu den alten friesischen Fischerbooten entspricht, muss die ganze Crew mithelfen die schweren Segel des Plattbodenboots niederzuholen und festzubinden. Wir suchen uns einen Platz dicht neben der Fahrrinne zum Trockenfallen. Mit einem langen Stab vermessen wir die Tiefe des Wassers an vier Punkten. Der Boden muss eben sein, sonst liegt das Plattbodenboot nachher schräg auf. Wir werfen den Anker und warten bis das Wasser seinen Tiefststand erreicht. Auf den herunter gekurbelten Ruderblättern laufen wir hinunter und betreten zum ersten Mal Wattboden. Kleine Krebse folgen dem ablaufenden Wasser und Muscheln sind tief im feinen Sand vergraben. Lediglich die auf ihnen wachsenden grünen Algenbüschel verraten Leben unter dem Sand.

Es ist aufregend mitten im Meer zu stehen, den Meeresboden unter den Füßen zu spüren und die unendliche Ruhe zu erleben, die diese einzigartige Atmosphäre ausmacht.

Neben uns sind noch andere Schiffe trockengefallen. Wie auf einer Perlenkette liegen die massiven Plattbodenboote an der Wasserkante aufgereiht. Wir machen uns auf und suchen Muscheln. Als es Abend wird und wir das Abendessen vorbereiten, klettern aus dem Nachbarschiff Blasmusiker und bauen sich zum Abendkonzert auf. Die Musik durchbricht die grenzenlose Stille und taucht das in der Dämmerung liegende Wattenmeer in eine klangvolle Atmosphäre. Die gefundenen Muscheln kochen mit Gemüsegrün und Weißwein blubbernd im Topf und riechen nach Meer. Die Nacht zieht herbei und bringt das Wasser mit. In langen Wellen läuft es an und verschluckt den Zauber des Wattenmeers. 

Der Strand von Terschelling ist kilometerlang

Er bietet perfekte Bedingungen für eine ausgiebige Kitesession. Als wie ankommen, frischt der Wind auf und wir sind die einzige, die das riesige Stehrevier zum Kiten nutzen. Das Wasser ist so klar und so ruhig, dass das Board so gut wie keinen Widerstand erhält.

Es fühlt sich an, als gleiten wir mit dem Board durch die Luft, während wir kilometerweit vor der Küste der Insel entlangfahren.

Im Rücken die vorbeiziehenden Schiffe, die den Hafen von Terschelling anlaufen.  Abends gehen wir auf Landgang. Viele Plattbodenboote liegen eng in Päckchen im Hafen. Um an Land zu kommen, müssen wir über vier andere Plattbodenboote klettern. Die Stimmung ist ausgelassen. Einige Schiffe werden von großen Reisegruppen bewohnt, von vielen dringt Blasmusik herüber. Unser Nachbarboot vor Vlieland war nicht das einzige, das mit Musikern beladen war. Die Besucher der Insel sind alle in Urlaubsstimmung und das Nachtleben ist ausgelassen. Bis morgens in der Früh wird in den Bars gefeiert und getanzt. 

Auf nach Ameland

Die Nachbarinsel Ameland bietet eine ganz andere Kulisse. Der Kitespot ist an einem Deich gelegen. Ein Betonmantel umzieht die Küste. Das Wasser wird schnell tief und bietet ausreichend Tiefe für Sprünge und Tricks. Auch dieser Spot ist menschenleer. Wir packen unsere Kites aus und bauen sie auf dem begrünten Deich auf. Die Flut kommt und erleichtert uns den Einstieg ins Wasser. Von Strömung ist jedoch nichts zu spüren und nur eine kleine Welle lässt uns erkennen, dass das Wasser tief ist. Inselbesucher, die gerade mit der Fähre ankommen, stehen an der Reling und beobachten unser Treiben.


Am Abend wollen wir vor der Küste Amelands trockenfallen. So friedvoll das Wattenmeer bei Ebbe ist, so tückisch spielen manchmal die Bedingungen gegen einen. Als das Wasser zurückkommt, drückt uns die Strömung in die andere Richtung als der Wind.

Das Boot wird über den Anker gezogen und treibt ab.

Die halbe Nacht verbringen wir damit den Anker neu zu setzen, während unser Plattbodenboot über den Grund schlingert. Letztendlich vermeidet nur noch das Auffahren auf die große Sandplatte einen Zusammenstoß mit dem Nachbarschiff. Am Morgen ist wieder Ebbe und wie sehen im Watt deutlich die großen Kreise, die unser Schiff des Nächtens über den Boden gezogen hat.

 Wir machen uns auf den Rückweg.

Der Abschlussdeich trennt uns vom Ijsselmeer. Und so einfach die Durchfahrt durch die Schleuse am Beginn unserer Reise war, so anstrengend gestaltet sich die Durchfahrt auf dem Weg zurück. Hunderte von Schiffen warten vor den großen Toren und wie ein großes Knäuel schieben sich zig Schiffe auf einmal in die über zweihundert Meter lange Schleuse.

Doch dann ist es geschafft.

Wir sind wieder im Ijsselmeer und ein fantastischer Torn neigt sich dem Ende entgegen.

Nachdem wir im Heimathafen angelegt haben und das Plattbodenboot leer ist, sitzen wir bei strahlendem Sonnenschein auf der Bankam Steg und keiner will so recht nach Hause gehen. Aber, wir sind uns alle sicher, nächstes Jahr machen wir das gleiche nochmal!

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